Näb dä Schueh

In meinem Wortschatz wird das Verhalten von Menschen welche sich daneben benehmen so definiert. Meistens sind es blödsinnige Taten die bei vollstem Bewusstsein geschehen. Oder unter Drogeneinfluss.

Daneben gibt es auch noch die Kategorie von psychisch angeschlagenen Menschen. Auch diese können Abseits von sich selber stehen. So auch im Fall von meinem Bruder.
Seit Donnerstag ist er nun in Behandlung – für geplante vier bis sechs Wochen. Genau jetzt wo die Eltern drei Wochen in die bereits im letzten Jahr gebuchte Ferien sind und ich noch in ein Lager gehe. Für alle nicht einfach. Die Eltern mit unwissen über seinen Gesundheitszustand fern ab der Zivilisation und ich, der bis anhin nicht immer eine leichte Beziehung zu meinem Bruder hatte. Er der nicht recht weiss was er in der neuen Umgebung (Klinik) soll und ob ihm dort geholfen werden kann.

Dass er Hilfe benötigt hat er eingesehen. Nur kann er sich den BetreuerInnen und Ärtzen (noch) nicht öffnen. Auch der Familie gegenüber ist er verschlossen. Zudem weiss ich/wissen wir die richtigen Fragen nicht um ihn aus der Reserve zu locken. (Wenn sowas überhaupt gehen sollte) Nur hin und wieder erzählt er von sich aus einzelne Details. Ohne Zusammenhang. Das sind die Momente wo mir die Tränen in die Augen geschossen kommen…

Am Freitagmorgen hatte ich folgende Nachricht von ihm bekommen. Ein lichter und schöner Moment.

Vor ich ihm die paar gewünschte Kleider vorbeibrachte habe ich mit ihm noch telefoniert. Da sein Kleiderschrank ganz einfach geordnet vollgestopft ist. Das war nicht er am anderen Ende. Wohl sein Körper, der das Mobiltelefon gehalten hat. Ganz sicher nicht sein Ich.

In der Klinik dann, die Modern daherkommt und mit kahlen Einzelzimmer ausgestattet ist, freute ich mich schon als ich ein aufgeschlagenes Buch auf seinem Nachttisch liegen sah. Lesen geht aber nicht gut, irgendwie versteht er nicht was er liest. *leerschluck* Zur Zeit sitzt er also mehrheitlich rum, zum Teil vor dem Fernseher im Gemeinschaftsraum, hat von Zeit zu Zeit irgend eine Therapie und weiss nicht(s) was anfangen mit sich. Die ersten paar Tage ist ihm das freie Bewegen ausserhalb der Klinik strikt untersagt. Wenn er jetzt oder dann später unabgemeldet oder länger fernbleibt als abgemacht, hat eine Blaulichtorganisation arbeit.

Ich hoffe ganz stark , dass es schnell wieder aufwärts geht mit ihm. Das sein Ich wieder zurückkehrt. Auch meine/unsere Versuche ihm zu erklären, dass er doch die Chance in der Klinik nutzen soll um ihm helfen zu lassen sollen wirken.

Es beruhihgt und tut gut darüber zu schreiben. Kommentare sind hier geschlossen, aber ich bin auch andersweitig zu erreichen.