Diabetes im Zeltlager

Wie geht man mit Diabetes in einem (Zelt-)Lager um?

Vor der Frage stand ich ein paar Tage vor dem Campus XII. Da ich im erweiterten Leitungsteam dabei war und genau wusste, dass ich einen Kühlschrank zur Verfügung hatte und mich auch auf meine Einstellungen mit der Insulinpumpe verlassen konnte nahm ich es locker. Während dem Lageraufbau reduzierte ich nachmittags immer die Basalabgabe. Ebenso in der Abbauzeit. Während dem eigentlichen Lager musste ich für die üppigeren Mahlzeiten mehr Bolusinsulin abgeben und zwei bis drei Stunden nach der Mahlzeit nochmals korrigieren. Dank CGMS aber ein geringes Übel.

Im Lager selber wurde ich von einer Abteilungslagerärztin angefragt, ob ich nicht helfen könne bei einem jungen Menschen mit Diabetes. Sie sei da am verzweifeln und müsse ihm immer nachrennen für die Blutzuckerkontrolle. Mit dem Jungen (in der Pubertät) zusammen haben wir dann abgemacht, resp wurde bestummen, dass er mindestens fünf Mal am Tag zu mir kommen muss um eine Blutzuckermessung zu machen und das nötige Insulin “unter Aufsicht” sich spritzen soll. Es klang definitiv einfacher als angedacht.
Denn es stellte sich schnell heraus, dass eine Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) ein Unsinn ist. Denn seine Insulindosis war auf seinen Schulalltag ausgelegt mit regelmässigem Nahrungsmengen berechnet. So spritzte er sich zum Frühstück anhand des gemessenen Blutzucker eine Dosis Insulin, egal wie viel er zum Frühstück nahm oder was am Morgen für Aktivitäten auf dem Programm standen… Dieses Spiel für jede Mahlzeit, im Verlauf des Nachmittags und vor dem ins Bett gehen. Dabei waren seine gemessenen Werte durchgehend zwischen 10 und 25 mmol/l (180 und 450 mg/dl). Das sind Werte die ich keinem Menschen mit Diabetes wünsche oder empfehle.
Ich konnte ihm schnlecht empfehlen einfach mehr Insulin zu spritzen, schliesslich bin ich kein Arzt. Das einzige war ich immer wieder versuchte war, ihn dazu zu bringen, öfters vorbeizuschauen um mehr Blutzuckermessungen zu machen. Doch er spielte lieber mit den anderen Lagerteilnehmenden oder half kräftig mit süsse Zwischenmahlzeiten zu vernichten – ohne dabei an die Konsequenzen in seinem Blutzuckerspiegel zu denken.

Am Besuchstag kam dann auch seine Mutter bei mir vorbei und bedankte sich für die Unterstützung. Ich selber war aber mit dem Erfolg nicht zufrieden und teilte ihr das auch mit. Ebenso, dass darüber nachzudenken sei, möglichst schnell einen Kurs zu belegen um die Funktionelle Insulintherapie (FIT) zu erlernen. Oder auf eine Insulinpumpe mit kontinuirlicher Blutzuckermessung umzusteigen. Zweiteres ist sogar noch besser um gezielt miese Blutzuckerschwankungen auszukorrigieren.

Muss mich dann in ein paar Monaten wieder umhören, ob sich da etwas geändert hat. Ist zu wünschen.

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