Geld und Zeit sparen – ganz einfach

Heute ist von meiner Krankenversicherung angeschriebene Werbung gekommen. Zwar im Speziellen für einen Medikamentenversand und dies im Zusammenhang als Diabetiker.

Der Brief mit persönlicher Anrede und aufgedruckten Unterschriften (hier entfernt) hat den Titel wie ich ihn für diesen Artikel auch verwendet habe: Geld und Zeit sparen – ganz einfach
Klingt verlockend, schauen wir uns doch das mal genauer an:

Wie im Brief erwähnt ist der Flyer „Diabetes News“ beigelegt. Bereits die Titelseite finde ich sehr widersprüchlich. Einerseits ist eine dreiköpfige Familie – Vater, Mutter und Tochter – auf Fahrrädern zu sehen. Lachend. Darunter findet sich folgender Text:

Chronische Krankheiten, wie Diabetes, sind für Betroffene vielfach eine physische und psychische Belastung, die den Alltag erschweren. Die Patienten benötigen ihr Leben lang täglich verschiedene Arzneien. Dabei muss ständig darauf geachtet werden, dass der Betroffene die für ihn richtigen Medikamente zum richtigen Zeitpunkt in der entsprechenden Qualität, Dosierung und Menge erhält. […]

Schön. Ich glaube dieser Text wird für alle chronischen Krankheiten benutzt und nur der von mir unterstrichene Text ausgetauscht :-( Wobei ich auch sagen muss, aus meiner Sicht ist Diabetes harmlos gegen die vielen anderen Krankheiten die es gibt.
Auf der zweiten Seite ist eine 72 jährige Frau zitiert, welche bei MediService bestellt und auf Seite drei finden wir den Peter W (30) im Interview. Offensichtlich gibt es keine Nachteile von MediService. Weiss jemand wieviel Geld der/die Interviewte bekommt?

Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen, das geb ich zu:

Aber so schön das auch aussehen mag ich unterstütze lieber meine Apotheke. Nur zum Vergleich:

  • Der Zeit- und Kostenaufwand für das vorbeigehen in der Apotheke ist minimal, da ich dies mit dem Nachhauseweg nach der Arbeit verbinden kann.
  • In der Apotheke bekomme ich auch eine Beratung – wohl noch eine persönlichere.
  • Die Abrechnung mit der Krankenkasse funktioniert einwandfrei.
  • Nachbestellung? Kein Problem.
  • Errinnerung vor Ablauf des Dauerrezeptes? Benötige ich nicht. Ich kann auch darüber hinaus beziehen und das neue Dauerrezept nachliefern (als Stammkunde wohl eher als Neukunde).
  • Um Lieferungen zu empfangen muss ich (oder jemand aus der Familie) Zuhause sein. Beim Abholen in der Apotheke entfällt das.
  • Wenn ich all diesen Rabatt sehe, frage ich mich ob wir nicht alle zuviel bezahlen für Medikamente?
  • Sonderrabatt für Diabetiker. Lächerlich wenn der Rabattsatz für Medikamentenpackungen bis max. Fr. 200.- geht. Je nach dem hab ich das innerhalb von zwei Monaten ausgegeben und dann ist noch viel Jahr übrig!
  • Es können nur die paar Angestellten (<10 Pers.) nachschauen wie meine Medikamentenakte aussieht. Bei MediService sind es bis zu 50 ApothekerInnen und Pharmaassistenten/-innen… Da ist der Datenschutz schonmal komplizierter.
  • Kompetente Beratung? In der Apotheke werde ich mit Namen begrüsst und verabschiedet. Zudem habe eine freundliche und gute Beratung. Zudem werden Lernende ausgebildet was ich sehr schätze.


Mein Fazit der ganzen Aktion von meiner Krankenkasse

Ich frag mich gerade ein wenig wo der Datenschutz ist, wenn ich solche Dokumente zugestellt bekomme. Bekommt da MediService auch Einsicht und die Adressen der Empfänger? Hoffentlich nicht!

Vorteile: Einerseits spart die Krankenkasse Geld weil die Versandapotheke günstiger ist, anderseits könnte auch die Verrechnung durch die Versandapotheke einfacher (auch gleich Zeitsparender) ausfallen.

Nachteile: Die Apotheken haben keine Kunden mehr und müssen schliessen. Daraus resultiert: Es werden keine Lernende mehr ausgebildet und es braucht weniger ApothekerInnen. Schlussendlich wird das nicht zum Vorteil der Verischerungen werden, wenn alle Arbeitslosen Antidepressiva brauchen… :-(
Wenn Probleme mit Medikamenten hinsichtlich der Dosierung, Packungen, etc. auftreten ist es um einiges einfacher ein persönliches Gespräch in der Apotheke des Vertrauens zu führen als in der Versandapotheke anzurufen. Die Betreuung in der Apotheke des Vertrauens ist um einiges persönlicher als im Versandhandel.

Darum werde ich auch weiterhin bei meiner Apotheke Medikamente beziehen.

Was denkt ihr von einer solchen Aktion? Wie würdet ihr euch entscheiden?

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7 Kommentare bei “Geld und Zeit sparen – ganz einfach
  1. Darf ich Dich kurz umarmen?
    Es ist noch früh am morgen und ich muss heute arbeiten, darum kann ich hier nicht so viel schreiben, wie ich gerne möchte. Trotzdem ein paar Gedanken: Da benutzt Deine Krankenkasse offensichtlich deine Gesundheitsdaten für eine gezielte Werbung. Nett. Das mit den Rabatten auf die Medikamente: der Apothekerverband hat schon bei den Firmen und der Krankenkasse angefragt zu was für Konditionen sie die Medikamente denn an die Versandhändler liefern – wenn wir die gleichen hätten, könnten wir nämlich auch Reduktionen anbieten. Es kam übrigens keine Antwort.
    Ich bin immer noch der Überzeugung, dass wir auch da einen Teil mit den Krankenkassenprämien mitbezahlen. Immerhin benutzte die Krankenkasse ihre Gelder auch schon (ungerechtfertigt) nicht nur für Werbung, sondern auch z.B. gegen die Initiative „für eine Einheitskasse“…
    So, jetzt muss ich wieder.
    Danke für den Beitrag!
    lg Pharmama

  2. @ pharmama: wenn du willst :-) darfst gerne am abend noch weiter kommentieren oder bei dir einen artikel schreiben und verlinkem ;-)

    Da benutzt Deine Krankenkasse offensichtlich deine Gesundheitsdaten für eine gezielte Werbung

    dürfen die das deiner meinung nach? hab mir schon überlegt einen freundlichen brief zu schreiben…
    dass unsere gelder immer wieder anders verwendet werden als vorgesehen ist (werbung, etc), sollte gesetzlich ohne ausnahmen verboten werden.

  3. Pingback: Patienten haben Rechte: Freie Wahl der Apotheke! « Pharmama's Blog – Zu lesen einmal täglich

  4. Hallo nochmals: es ist schon (wieder) spät, aber ich habe es doch noch geschafft die „Antwort“ in meinen Blog zu setzen. Link zu Dir ist auch gesetzt.
    Ganz schönes Wochenende!
    Pharmama

  5. „Rabattsatz gilt für Medikamentenpackungen bis zum Maximalbetrag von CHF 200“ ist ja mal wenigstens zweideutig formuliert.

    Entweder entspricht das deiner Interpretation (Rabattsatz gilt bis zum Maximalbetrag von CHF 200), wobei da noch die Frage ist, 200 in welchem Zeitraum, oder es soll bedeuten, dass Medikamente bis Warenwert CHF 200 rabattierbar sind.

    Letzteres macht bei prozentualen Rabatten durchaus Sinn – die Rabattstaffeln könnten als Mischkalkulation gestaltet sein (Der Versand gibt 7% Rabatt, und hat selbst 1, 3, 7 und 15% Rabatt, bzw. Platz in der Marge, je nach Hersteller oder Produktgruppe). Wenn nun sehr teure Medikamente um 7% ermäßigt werden, tut da ein Verlustgeschäft (bei eigenem Rabatt <7%) mehr weh, weil es ggf. viele niedrigpreisige Produkte (mit hohem Einkaufsrabatt) braucht, um das wieder auszugleichen.

    stützt die zweite Interpretation, maßgeblich wird aber wie üblich das Kleingedruckte sein.

    Nichtsdestotrotz gut, bei der Apotheke vor Ort zu bleiben :-)

  6. @ pharmama: danke. ob es die mühe wert ist beim versicherer zu reklamieren? die machen eh was sie wollen ist mein eindruck.

    @ PG: ich hab mir gar nicht die mühe gemacht auf mediservice.ch zu suchen… da ich kein interesse daran habe zu wechseln.
    den zeitraum habe ich nirgends gelesen das ist wahr. damit es keinen gewinn für die patienten gibt wahrscheinlich pro kalenderjahr :p
    möglich auch, dass der warenwert gemeint ist. um das kleingedruckte habe ich mich nicht bemüht.

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