Teil 1: „Ich renne ständig rum und lösche Lichter“

Mit diesem Titel fängt das Interview mit ETH-Professor Lino Guzzella über Elektromobile, grüne Illisionen und mögliche Wege aus der Energiekrise im Magazin, Nr. 3/2011 an. Ein sehr interessantes Interview vor allem jetzt wo die Frage wie die Energieerzeugung in Zukunft aussehen soll wieder vermehrt diskutiert wird dank dem Zwischenfall in Fukushima.

Als Öko-Pionier – hat mit einem Wasserstoffauto vor Jahren einen Sparsamkeits-Weltrekort aufgestellt, Autospezialist und ETH Professor glaubt er nicht an den baldigen Durchbruch des Elektromobils, denn die sind zu teuer, zu leistungsschwach und die Batterien sind weit entfernt vom „Ökologisch sein“. Überall wo eine elektrische Leitung zu einem Verbraucher gelegt werden kann ist das C02 sparen sinnvoll. Bei einem Elektromobil ein Kabel zu verlegen wird einen Kabelsalat auf den Strassen geben. Ihr könnt euch unteres Bild gerne einige Mal grösser Vorstellen und mit dickeren Kabeldimensionen…

Coils of Wire in a London Skip
Bild via davidjwbailey/Flickr

Lino Guzzella rechnet vor wie viel Batterien mitgeschleppt werden müssen um die gleiche Reichweite wie ein 50-Liter-Dieselauto hat zu erreichen – tausend Kilo Batterien. Einerseits ist das ökologischer Schwachsinn par excellence und die Anschaffung der Batterien können sich nur sehr wenige Leisten.
Ebenso stellt er die Überlegung an, wenn die Grünen das Elektroauto noch mehr puschen, wie der öffentliche Verkehr subventioniert werden soll. Denn fast die Hälfte des Benzinpreises ist Mineralölsteuer und wenn diese aufgrund vieler Elektrofahrzeuge kleiner wird fehlt unter anderem Geld im öffentlichen Verkehr.

Zur Rekordfahrt eines Elektroautos über 600km in sieben Stunden von München nach Berlin von der Firma DBM Energy bleibt er skeptisch. Die Firma hat keine unabhängigen Überprüfung anstellen lassen oder lässt unabhängige Fachpersonen Testfahrten unternehmen. Somit ist fraglich wieviel Wunder an der um 8-fach leichteren Batterien auch wirklich dran ist. Er ist überzeugt und fordert Flottenversuche von Elektomobilen um Testbeweise zu erhalten – 3 Jahre, 100’000 Elektrofahrzeuge unter realen Bedingungen. Wenn ich Google schnell mal frage, finde ich da einige Flottenversuche von Elektrofahrzeugen – zwischen 20 und 1000 Stück. Schon möglich das einzelne Elektromodelle einiges besser sind. Aber ein einzelnes Fahrzeug bringt uns nicht weiter…

Auf die Frage hin, warum er selber kein Fahrzeug herstellt welches 5000 Kilometer mit einem Liter Benzin schafft, antwortet er:

Weil es weit weg ist von der Realität. Weil es nichts mit einem Alltagsauto zu tun hat. Das Alltagsauto, das die Leute kaufen wollen, muss im Winter bei Schnee den Berg hochkommen, bleibt dann eine Woche lang irgendwo im Wallis bei minus zwanzig Grad nachts stehen, und am Samstag, wenn die Leute heimfahren wollen, muss der Motor wieder anspringen. Und dann sollte es 25’000 Franken kosten. Für 25’000 Franken können Sie heute ein gutes Auto kaufen. Das ist meine Botschaft an die Elektroleute: Macht das mal! Dann reden wir wieder miteinander.

Aber Schlussendlich bleibt das Gewicht der Batterien im Fahrzeug. Mit neuartigen Techniken – welche erst noch entwickelt werden müssen – besteht die Möglichkeit diese leichter und platzsparender zu halten.

Im Teil 2 geht es dann um das Heilsversprechen Elektrizität.

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