25 Jahre nach Schweizerhalle – Haben wir was gelernt?

Bild via eau21.ch

In der Nacht auf den 1. November 1986 gerät in Schweizerhalle eine Lagerhalle der Firma Sandoz mit ca. 1350 Tonnen Chemikalien in Brand. Insektizide, Herbizide und Quecksilberverbindungen verbrennen. Viel Rauch und eine starke Geruchsbelästigung verunsichern die Bevölkerung. Die Behörden lösen einen allgemeinen Sirenenalarm aus. Die Feuerwehr bringt das Feuer bis am frühen Morgen unter Kontrolle und schwere Gesundheitsschäden in der Bevölkerung bleiben aus. Die x-tausend Kubikmeter Löschwasser führen jedoch zu einem grossen Fischsterben – auch noch 500km Rheinabwärts.

Im SF Videoportal habe ich eine alte Dokumentation des Ereignisses gefunden:

Bild via bafu.admin.ch

Ein weiterer Bericht, vom 04. November 2011 und einen Beitrag zu „20 Jahre nach Schweizerhalle“ kann ich auch noch empfehlen.

Sandoz hat nach dem Brand den Boden „gewaschen“. Dabei wurde aber lange nicht die gesamte chemische Verschmutzung aus dem Boden entfernt. Anstatt den Boden genügend tief auszuheben und die Erde einer Sondermüllverbrennungsanlage zuzuführen wurde ein Betondeckel darüber gelegt. Entlang dem Rhein – nicht nur in der Schweiz – enstanden Grundwasser-/Messstation um die Qualität des Trink-/Rheinwasser zu kontrollieren und zu überwachen. Ebenso entstand als Folge der Katastrophe die Störfallverordnung, StFV.

Jahre sind vergangen. Die Firma Sandoz gibt es nicht mehr. Juristische Nachfolgefirma ist die Novartis. Diese hat den Teil von Sandoz in das Tochterunternehmen Syngenta gesteckt. Das Grundstück der abgebrannten Lagerhalle wurde an Clariant verkauft. Jetzt 25 Jahre später will niemand mehr für das Gelände verantwortlich sein und vor allem wie es um den Boden und das Grundwasser an der Brandstelle wirklich steht ist unklar.

Der Rhein hat sich erholt. Die Umweltpolitik in Basel hat sich gewendet.
Doch für viele Menschen ist Schweizerhalle zum Sinnbild einer nicht beherrschten Technik – ähnlich wie dem Reaktorunfall in Tschernobyl einige Monate zuvor – geworden.

Einen gut recherierten Bericht gibts im Blog von Andi Jacomet. Sehr interessant auch die persönlichen Erinnerungen. Unter anderem habe ich folgende zwei Radionachrichten bei ihm entdeckt – es hat noch mehr.

Die Ereignisse für das Mittagsmagzin des Radio Raurach’s (heute Basel One): [audio:http://www.jacomet.ch/blog/wp-content/1986-raurach-schweizerhalle-05-mittag.mp3]

Radiobericht über den Stand der Dinge um 06:15 Uhr: [audio:http://www.jacomet.ch/blog/wp-content/1986-raurach-schweizerhalle-01-morgekaffi.mp3]

 

  1. Was haben Industrie/Wirtschaft und Politik aus dem Ereignis gelernt?
  2. Hat die Bevölkerung auch was gelernt?
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2 Kommentare bei “25 Jahre nach Schweizerhalle – Haben wir was gelernt?
  1. wir sind damals ja sehr sehr knapp an einer katastropfe vorbeigekommen. wäre das feuer ein bisschen mehr ausgebrochen hätte es anders ausgesehen. da standen einige mehr giftige sachen gleich nebenan. wir müssen nicht angst haben das ein flieger in messeturm fliegt, schweizerhalle wäre da wohl einiges gefährlicher aus meiner sicht.

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