Es gibt keine Regel

Am Samstag war deutschschweizer Diabetikertag im Universitätsspital Zürich. Es gab Kurzvoträge zu verschiedenen Themen rund um Diabetes. Eines davon war Diabetes und Sport und wurde von Prof. Dr. med. Ch. Stettler, Leitender Arzt Universitätspoliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am Inselspital in Bern, gehalten. Ich habe mir ein paar wichtige Aussagen notiert und tu die hier wiedergeben.

Bei Diabetes und Sport gibt es nur eine Regel: keine Regel! Jeder Körper ist individuell.
Prof. Dr. med. Ch. Stettler

Das soll heissen, es kann niemand eine allgemeingültige Aussage zur Therapieeinstellung machen um sportliche Aktivitäten zu meistern. Jeder Mensch mit Diabetes muss selber herausfinden mit welchem Blutzuckerwert er beginnt, um wie viel sein Blutzucker sinkt oder steigt und wann am besten Insulin oder Kohlenhydrate eingenommen werden in seiner Sportart. Es erfordert Disziplin und mehrmaliges Wiederholen des gleichen Sport, z.B gleiche Joggingstrecke im gleichen Tempo, um dies herauszufinden.

Egal welche Sportart, hauptsache regelmässig. Gut wären drei bis vier Mal in der Woche mit einer Dauer von jeweils mindestens einer Stunde. Das ist viel. Aber auch nur schon zwei Mal wäre was. Denn sportliche Betätigung hilft einem guten Blutzucker. Ich selber muss mich auch ein wenig an der Nase nehmen. Seit etwa drei oder vier Wochen habe ich das Fitnesscenter auch nicht mehr von Innen gesehen.

Um das ganze einfacher zu gestalten, schlägt Prof. Dr. med. Ch. Stettler vor Mahlzeiten und sportliche Aktivitäten möglichst weit auseinander zu halten. Grund: Wird die Mahlzeit mit Insulin gedeckt und danach Sport getrieben wirkt das Insulin stärker. Darum ist der beste Zeitpunkt auch Sport vor dem Frühstück zu machen. Was sicher nicht jedem liegt – mir auch nicht. Ich halte es oft so, dass ich vor dem Abendessen ins Fitnesscenter gehe. So liegt die letzte, mit Insulin abgedeckte Mahlzeit bereits über drei Stunden zurück und das Mahlzeiteninsulin wirkt sicher nicht mehr.

Mit einer Insulinpumpe Sport machen ist einfacher, denn man kann einfach zwischen 30 Minuten und einer Stunde vor Beginn des Sport die Basalrate reduzieren (falls nötig). Bei Penner (InsulinanwenderInnen mit Pen) geht das nicht. Da müsste bereits bei der Basalratenverabreichung geplant werden wenn der Sport stattfindet – machbar aber kompliziert(er). Das kann ich nur bestätigen!

Gibt es einen idealen Blutzuckerstartwert für Sport? Nein! Ein optimaler Bereich um mit Sport anzufangen liegt zwischen 8 bis 12 mmol/l (ca. 144 bis 216 mg/dl). Auf keinen Fall bei einem Wert über 15 mmol/l (ca. 270 mg/dl) mit Sport beginnen weil da die Gefahr einer Ketoazidose grösser wird. Ich selber versuche immer bei Werten unter 10 mmol/l (ca. 180 mg/dl) anzufangen und was ganz wichtig ist, immer Traubenzucker (oder schnell wirkender Zucker) dabei zuhaben! Falls dieser mal vergessen geht, kann man sich körpereigenes Adrenalin zur Hilfe nehmen. Mit einer Sprinteinlage wird etwas Adrenalin freigegeben, sodass vielleicht nochmals 15 Minuten Zeit bleiben um an Zucker zu kommen. Dem Traubenzucker in der Tasche gebe ich aber mehr Vertrauen.

Was ganz wichtig ist: Dokumentieren. Ansonsten kann bei einem guten Resultat während dem Sport das nächste Mal nicht die gleiche Einstellung genommen werden. Bei schlechten Resultaten kann man dann Verbesserungen anbringen anhand der dokumentierten Werten.

Aus dem Vortrag habe ich für mich folgendes gelernt. Ich sollte wieder regelmässig in den Sport. Das andere habe ich teilweise auch schon mal gehört und wurde mir jetzt erneut ins Bewusstsein gerufen. Bis im Frühling muss ich noch eine perfekt auf mich abgestimmte Lösung haben wie ich das Frühstückproblem vor meinen Biketouren löse. Denn ohne Frühstück auf eine mehrstündige Tour ist blödsinn und beim vollständigen weglassen vom Insulin schiesse ich viel zu hoch raus.

Für Anmerkungen, Ergänzungen und eigene Erfahrungen stehen die Kommentare offen :)

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