Autonome diabetische Neuropathie

Neuropathien (Nervenkrankheiten) können vielfältige Ursachen haben. Diabetes ist eine Grundkrankheit, die Nervenschädigungen an verschiedenen Teilen des Nervensystems hervorruft. Sind Nerven betroffen, die zur Funktionssteuerung innerer Organe dienen, sprechen Ärzte von autonomer diabetischer Neuropathie. Das autonome (vegetative) Nervensystem besteht aus Nervensträngen, deren Reizleitung unwillkürlich, unbewusst erfolgt. Dazu gehören zum Beispiel die neuronalen Regelkreise des Darmes und des Herzens.

Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten vom Arzt im Hinblick auf Störungen der Organfunktion konsequent überwacht werden. Dabei sind die Symptome der autonomen diabetischen Neuropathie vielfältig, denn meist sind nur einzelne Organe betroffen. Selten hingegen beeinträchtigt die diabetische Folgekrankheit das gesamte innere Organsystem. Sehr häufig ist aber eine Mitbeteiligung der willkürlichen Nervenstränge. Geschädigt sind dann sensorische (Sinneswahrnehmung) und motorische (Muskelbewegung) Teile. Diese ähnliche aber abgrenzbare Nervenstörung bezeichnen die Mediziner als periphere sensomotorische Neuropathie.

Nach Schätzungen sollen etwa 15% aller Menschen mit Typ-1-Diabetes unter der autonomen diabetischen Neuropathie leiden. Sie klagen beim Arzt über Kreislaufprobleme, Schwindel und Leistungsabfall, wenn das Herz betroffen ist. Diagnostiziert wird dann eventuell eine Herzschwäche oder auch Herzrhythmusstörungen. Als fatal erweist sich der Umstand, dass die Schmerzwahrnehmung nachlässt, sodass gravierende Symptome bei Angina pectoris vom Patienten nicht mehr wahrgenommen werden.

Sehr ungünstig stellt sich auch eine Nervenfunktionsstörung am Magen-Darm-Trakt dar. Daraus resultiert unter anderem eine unregelmässig verlaufende Aufnahme der Kohlenhydrate, wodurch die Regulation des Blutzuckers im Körper zusätzlich beeinträchtigt ist. Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen in diesem Fall den Blutzucker öfter kontrollieren. Unangenehm ist des Weiteren der verzögerte Verdauungs-Prozess. Die zugrundeliegenden Lähmungen der Magen-Darm-Nerven führen zu Übelkeit besonders nach den Mahlzeiten. Auch Durchfall und Verstopfung können auftreten.

Die autonome diabetische Neuropathie verursacht auch Sehstörungen, die sich speziell als Adaptionsproblem bei schlechten Sichtverhältnissen äussert. Als Einschränkung der Lebensqualität empfinden Menschen mit Typ-1-Diabetes auch Neuropathien an Blase, Niere oder Geschlechtsorganen. Die Folge sind im Extremfall Inkontinenz und eine Beeinträchtigung der Sexualfunktion. Daneben sind Störungen des Temperaturhaushaltes bekannt, wenn die funktionelle Versorgung der Schweissdrüsen vom Syndrom betroffen ist.

Neben einer symptomatischen Behandlung der einzelnen Organstörungen ist eine bessere Einstellung des Blutzuckers Ziel der Therapie. Wichtig ist, dass die diabetische Folgekrankheit möglichst früh erkannt wird.

Das ist ein Auszug aus dem Originalbeitrag, welcher in voller Länge im d-journal 218/12 erschienen ist.

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