Gastbeitrag: Kontaktkarten

Ständiger Begleiter – oder „Zeig mir Deine Karte und ich weiss, was du brauchst“
ein Gastbeitrag von Lisa Heβler

Die meisten haben Glück gehabt, manche sind betroffen, einige davon hat es schlimm erwischt:
Laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) leiden über 27 Prozent der Bevölkerung an einem lang dauernden Gesundheitsproblem. Moderne Behandlungsmethoden machen das Leben vieler Betroffener erträglich oder lebenswerter. In unseren Breitengraden haben sie neben Familie und Freunde auch gut ausgebildete Ärzte und an ihrer Seite. Doch letztendlich bleiben die (Erb-) Krankheiten und Allergien selbst ihre einzigen ständigen Begleiter.

Ein Leiden kann so individuell sein, wie der Mensch selbst und daher auch individuelle Behandlungsmethoden erfordern. Um im Notfall wesentliche Informationen darüber mit ihren Mitmenschen zu teilen, entscheiden sich immer mehr chronisch Kranke und Allergiker dafür, Kontaktkarten zu erstellen. Kontaktkarten ähneln klassischen Visitenkarten, auf die wir für geschäftliche wie private Zwecke unseren Namen, Adresse und andere Kontaktdetails drucken. Chronisch Kranke, wie Diabetiker, fügen neben den üblichen Eckdaten auf der Karte wichtige Informationen über ihre Krankheit hinzu, Allergiker über ihre Allergie(n).

Die Idee kommt, wie so vieles, aus den USA. Dort wurde die klassische Visitenkarte zur Kontaktkarte weiterentwickelt, weil sie sich besonders für Betroffene eignet, die nichts von ihrem Leiden wissen oder es nicht kommunizieren können. Kinder zum Beispiel. In den Vereinigten Staaten kennt man Kontaktkarten daher auch unter der Bezeichnung “Mommy Cards”. Betreuer, Lehrer oder Eltern von Freunden der Kinder müssen so nicht mit (lebens-)wichtigen und detaillierten Anleitungen gegen die Wand geredet werden, die sie im Ernstfall vergessen haben könnten. Alles Wesentliche steht auf der Kontaktkarte, die leicht Platz in der Windeltasche oder im Schulranzen findet. Was an der Kontaktkarte besonders geschätzt wird: Kein Aufsehen wird erregt, ein kurzes Überreichen oder Erwähnen der Karte genügt. Neben der Krankheit wird die Kontaktkarte zum ständigen Begleiter, der zur Abwechslung aber Erleichterung statt Last bedeutet.

Ein Beispiel für eine Kontaktkarte (“Mommy Card”):

Im rot hervorgehobenen Text wird kurz und knapp darüber informiert, dass “Daniel” an einer Erdnuss- und Katzenallergie leidet. Es geht also klar aus der Kontaktkarte hervor, dass und worauf das Kind allergisch ist und wer bei Rückfragen oder im Notfall unter welcher Telefonnummer zu erreichen ist.

Natürlich eignet sich die Kontaktkarte als erweiterte Visitenkarte auch für ältere Menschen und Erwachse mit Krankheiten, die deren Erinnerungsvermögen oder Bewusstsein (beispielsweise in Form eines möglichen Schockzustands) beeinflussen können.

Ob sich die Kontaktkarte bald auch in der Schweiz der gleichen Beliebtheit erfreut wie in Amerika wird sich zeigen. Ihr Nutzen für bestimmte Bevölkerungsgruppen kann jedenfalls kaum angezweifelt werden.

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