Wie alles begann

Ich habe bevor die zehnjährige Aufbewahrungsfrist verjährt bei meinem damaligen Hausarzt und dem Spital welches die Ersteinstellung vorgenommen hat die Unterlagen im Zusammenhang mit der Diagnose Diabetes Typ 1 angefordert. Einfach um eine vollständige Aufzeichnung der Geschichte von meinem Diabetes zu haben und weil ich nicht mehr alles genau wusste.

Bis ich am 11. Juli 2005 die Diagnose vom Hausarzt bekam habe ich einige Monate lang eine strube Zeit durchlebt. Um Ostern 2005 habe ich mir vorgenommen vor dem Fernseher keine Chips und keine Süssigkeiten, wie Schokolade, mehr zu essen um mein Körpergewicht etwas zu reduzieren. Von über 100 Kilogramm (auf 197cm ergibt das einen BMI von 25.8) bin ich bis vor den Sommerferien auf unter 80 Kilogramm (ergibt einen BMI von <20.6) gesunken.
In der selben Zeit stieg auch die Müdigkeit an, sodass ich vor dem Abendessen mich immer für ein Nickerchen hinlegen musste welches je später im Jahr je länger wurde. Ebenso hat sich mein Trinkverhalten geändert. Immer mehr habe ich getrunken. Bis zu fünf Liter Wasser pro Tag und darum auch immer öfters auf die Toilette müssen. Aber in einem heissen Sommer fällt das nicht so auf und zudem ist man als junger Mann ja gesund.
Oft hatte ich Nachts oder beim Aufstehen von einem Stuhl in den Beinen einen Krampf. Oder beim Fussballspielen mit Kollegen ging ich auf Mäusejagd weil im vollen Lauf ein Krampf im Bein mich zu Boden beförderte. Diese Symptome und dieser massive Gewichtsverlust veranlassten mich dann doch nach der ersten Sommerferienwoche an einem Montagmorgen vor der Arbeit den Hausarzt aufzusuchen.

Die erste Vermutung vom Arzt war dann eher ein Wurm oder Tumor. Danke wollte ich schon immer mal am Montagmorgen hören. Zur Kontrolle wurde mir dann aber noch nüchtern Blut genommen, welches im Labor erstaunliches zu Tage förderte. Denn keine vier Stunden nach der Blutentnahme kam das Telefon vom Hausarzt „es sei nur Zucker, also Diabetes Typ 1“. Er hätte mich schon in ein Spital angemeldet und ich müsse morgen zur Ersteinstellung einrücken. In der Ita Wegmann Klinik, einem anthroposophischem Spital welches im gleichen Dorf wie der Hausarzt war und auch dessen Stellvertretung war, wurde die Erstbehandlung vorgenommen. 10 Tage dauerte der Aufenthalt. 10 Tage weil ich ich klar ansagte, dass ich danach in ein Sommerlager will und dass die Einstellung bis dahin hinzubekommen sei :)

10 Tage ohne Fernseher im Spital. Eine Qual, den lesen lag selten bis nie drin, da der Augendruck sich andauernd durch den steigenden und fallenden Blutzuckerspiegel änderte und ich so oft ein unscharfes Bild vor mir hatte. Gelernt habe ich in der kurzen Zeit vor allem etwas Grundlagen über die Ernährung und über den Umgang mit Diabetes, resp. auch wie die Pen’s (Actrapid und Lantus) und das Messgerät zu handhaben sind. Ziel der ersten Einstellung war, dass ich einen Blutzucker zwischen 10 und 14 mmol/l (ca. 180-252mg/dl) erreiche. Mit den groben Einstellungen wurde ich in ein zweiwöchiges Sommerlager entlassen. Erst anfangs August als der Diabetesarzt für die ambulante Behandlung aus seinen Ferien retour war und ich das Sommerlager überstanden hatte wurde feiner eingestellt – soweit das mit Actrapid überhaupt geht.

Die ersten Einstellungen waren simpel. Liegt der Blutzucker zwischen Wert a und b ist für Mahlzeit c ein fixer Wert zu spritzen. Das lief mehrere Jahre so ziemlich gut. Sogar mit nur einmal Blutzuckermessen am Morgen früh. So im Nachhinein würde ich das als leichtsinnige Zeiten abtun.

So habe also bis vor kurzem auch nicht gewusst wie hoch mein Nüchternblutzucker am Morgen des 11. Juli 2005 beim Hausarzt war. Dies hat mich in letzte Zeit immer ein wenig mehr gestört. Damals im 2005 hätte ich aber nicht gewusst was diese Zahl bedeutet. Heute weiss ich es.
Im jetzt erhaltenen Laborbericht steht nur: „>>33.0mmol/l“ (ca. >>594mg/dl). Grösser, weil wahrscheinlich das verwendete Messgerät nicht genauer Messen konnte. Würde dieser Wert von Heute auf Morgen erreicht werden wäre mir wohl mindestens die Bewusstlosigkeit gewiss. Da sich aber der Körper über drei bis vier Monate an die immer höher werdenden Blutzuckerwerte gewöhnen konnte war das „kein Problem“. Laut den Unterlagen lag der HbA1c damals bei krassen 13.3%. Leicht ungesund.

Das waren Zeiten. Bin ich froh hat sich in der Zwischenzeit einiges geändert.

 

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