Diabetes und Autofahren

Am 01. Juli 2016 tritt in der Schweiz eine umfassend überarbeitete Revision der Verkehrszulassungsverordnung (VZV) in Kraft. In dieser ist neu geregelt wie die Bedingungen für die Zu- und Weiterbelassung von Motorfahrzeuglenkern mit Diabetes ist. Ausserdem gibt die neue Verordnung zweckmässige Verhaltensregeln für die aktive Verkehrsteilnahme.

 

Inhalt

In diesem Artikel gehe ich ausschliesslich auf die privaten FahrzeuglenkerInnen der 3. medizinische Gruppe für die Fahrzeugkategorien A, A1, B, B1, F, G, M ein!

  1. Vorgeschichte
  2. Grundsätzliche Richtlinien für FührerausweisinhaberInnen
  3. Hypoglykämierisiko und Massnahmen
  4. Vermeiden von Hypoglykämien beim Fahrzeuglenken
  5. weiterführende Links
  6. 1. und 2. medizinische Gruppe / weitere Fahrzeugkategorien
  7. Schlussbemerkung

 

Vorgeschichte

Im Juni 2012 wurde das Verkehrssicherheitspaket „Via Secura“ im Parlament angenommen und wird seither in Etappen umgesetzt. Im Rahmen dieses Verkehrssicherheitspaket gehört auch eine umfassende Revision der Verkehrszulassungsverordnung (VZV). In dieser war bisher nur sehr allgemein die medizinische Mindestanforderung gehalten. Um im Einzelfall keinen grossen Interpretierungsspielraum mehr zu haben hat man sich entschlossen Detailregelungen in fachspezifischen Richtlinien abzufassen. Diese fachspezifischen Richtlinien wurden von einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Fachgesellschaft für Diabetologen und Endokrinologen (SGED), der Fachgesellschaft der Rechtsmediziner (SGRM) und der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft (SDG) verfasst.

 

Grundsätzliche Richtlinien für FührerausweisinhaberInnen

Für MotorfahrzeuglenkerInnen aller medizinischen Gruppen müssen für eine Erstzulassung oder eine Weiterbelassung folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Keine verkehrsrelevanten Spätfolgen vorhanden (ungenügende Sehschärfe, Gesichtsfeldeinschränkungen, Nervenschädigung (Neuropathie) mit Beeinträchtigung der sicheren Fahrzeugbedienung, verkehrsrelevante Einschränkungen im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems, Beeinträchtigung der Nierenfunktion mit verkehrsrelevanter Einschränkung des Allgemeinbefindens)
  • Keine wesentliche Hyperglykämie, insbesondere keine mit Allgemeinsymptomen einhergehende Blutzuckererhöhung mit Auswirkungen auf die Fahrfähigkeit

Auch ist für alle MotorfahrzeuglenkerInnen das individuelle Hypoglykämierisiko je nach Therapieart und unter Berücksichtigung der Hypoglykämiewahrnehmung herauszufinden.

 

Hypoglykämierisiko und Massnahmen

Kein Risiko
Keine Behandlung

mit Insulin, Sulfonylharnstoffen oder Gliniden.

Massnahmen:

  • Beachten der allgemein gültigen Regeln im Strassenverkehr.

 

tiefes Hypoglykämierisiko
Behandlung

mit analogem Basalinsulin (z.B. Lantus, Levemir, Tresiba, etc.) 1x täglich oder mit Gliclazid oder mit Gliniden. Dabei darf keine Kombination dieser Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

Massnahmen:

  • Keine Blutzuckermessungen vor Antritt der Fahrt und bei längeren Fahrten nötig.
  • Schnellwirksame Kohlenhydrate und ein Blutzuckermessgerät sind im Fahrzeug mitzuführen.

 

erhöhtes Hypoglykämierisiko
Behandlung

mit Insulin (kein analoges Basalinsulin allein, oder analoges Basalinsulin 1x täglich in Kombination mit anderen hypoglykämen Substanzen) und/oder Behandlung mit Sulfonylharnstoffen (ausser
Gliclazid).

Für eine Erstzulassung oder eine Weiterbelassung als Motorfahrzeuglenker der 3. medizinischen Gruppe müssen zusätzlich zu

  • keine verkehrsrelevanten Spätfolgen und
  • keine wesentliche Hyperglykämien

in den letzten zwei Jahren keine:

  • gehäuften Hypoglykämien II. Grad: fremde Hilfe bei der Erkennung und/oder bei der Behebung notwendig,
  • gehäuften Hypoglykämien III. Grad: erhebliche Bewusstseinstrübung, fehlende Handlungsfähigkeit, verlorene Selbstkontrolle, Bewusstlosigkeit und
  • Hypoglykämiewahrnehmungsstörung

aufgetreten sein. Sprich der Blutzucker muss stabil sein und belegt werden können.

Massnahmen:

  • Messen des Blutzuckerspiegels vor der Fahrt und während längeren Fahrten.
  • Kein Fahren falls der Blutzuckerspiegel unter 5 mmol/l ist.
  • Schnellwirksame Kohlenhydrate und ein Blutzuckermessgerät sind im Fahrzeug mitzuführen.

 

hohes Hypoglykämierisiko
Behandlung

Behandlung mit anderem Insulin als analoges Basalinsulin allein, oder Kombination von
analogem Basalinsulin 1x täglich mit anderen hypoglykämen Substanden und/oder Behandlung mit Sulfonylharnstoffen ausser Gliclazid und erschwerende Begleitumstände: Vorkommen einer schweren Hypoglykämie II. oder III. Grad in den letzten 2 Jahren und/oder eine fehlende Hypoglykämiewahrnehmung

Massnahmen:

  • Bei Vorliegen eines hohen Hypoglykämierisikos muss eine spezielle Beurteilung durch eine/n Fachärzt/in für Endokrinologie/Diabetologie erfolgen.
  • Nach Vorkommen einer schweren Hypoglykämie bei Inhabern der Führerausweiskatogien der 3. medizinischen Gruppe ist die Fahreignung nur unter der Bedingung einer kontinuierlichen Blutzuckermessung (CGMS) oder Vornahme von 6-8 Blutzuckermessungen täglich gegeben. Falls in den nächsten 2 Jahren keine schwere Hypoglykämie mehr auftritt, kann diese Zusatzauflage wieder weggelassen werden.

 

Vermeiden von Hypoglykämien beim Fahrzeuglenken

  • Grundsätzlich gilt zuerst Blutzuckermessen und erst danach fahren!
  • Der Blutzucker soll beim Start der Fahrt bei über 5mmol/l sein.
  • Bei längeren Fahrten soll ca. alle 1.5 bis 2 Stunden eine Pause gemacht werden und der Blutzucker gemessen werden. Dabei gilt wieder für die Weiterfahrt wieder ein Blutzucker von über 5mmol/l.
  • Beim ersten möglichen Anzeigen von einer Hypoglykämie umgehend einen sicheren Standplatz aufsuchen (z.B. Parkplatz, oder Pannenstreifen, dann aber mit Warnblinkanlage) und 20g schnell wirksame Kohlenhydrate zu sich nehmen.
  • Nach einer Hypoglykämie soll mindestens 20 Minuten gewartet werden, die Symptome vollständig abgeklungen sind und der Blutzucker bei über 6mmol/l ist. Erst dann soll die Fahrt wieder aufgenommen werden.

Achtung

Hypoglykämien am Steuer sind schwerer zu erkennen weil man sich auf das Fahrzeuglenken konzentriert. Darum sollte versucht werden auf folgende Symptome zu achten:

  • doppelt Sehen
  • Konzentrationsmühe
  • übermässig heiss oder Schweissausbrüche
  • bleierne Müdigkeit
  • plötzlich hungrig
  • Kopfschmerzen
  • Herzklopfen
  • zittern
  • Schwäche- oder Schwindelgefühl
  • schwere Zunge oder taube Lippen
  • irritert
  • andere persönlich bekannte Symptome

 

weiterführende Links

 

1. und 2. medizinische Gruppe / weitere Fahrzeugkategorien

Die Richtlinien für Ausweisinhaber der Kategorien D, C, C1, D1, Bewilligung zum berufsmässigen Personentransport und Verkehrsexpertensind wesentlich strenger gehalten.. Ein Factsheet auf diabetesschweiz.ch gibt einen Überblick über diese in die 1. und 2. medizinische Gruppe gehörenden FahrzeuglenkerInnen.

 

Schlussbemerkung

Was auch noch gesagt werden muss ist, dass es diese neue Verordnung nicht aufgrund einer grösseren Anzahl an Unfällen als bei anderen FahrzeuglenkerInnen gibt. Bei FahrzeuglenkerInnen mit Diabetes besteht einzig ein erhöhtes Unfallrisiko und dieses möchte man mit dieser Verordnung mindern.

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