Diabetes-Burnout – Teil 1

Mit dieser neuen Serie möchte ich meinen Weg zurück zu guten Blutzuckerwerten mit einem guten, nicht erlogenen HbA1c aufschreiben. Das hier ist Teil 1 und beschreibt eigentlich den Werdegang zum jetzigen schlechten Ergebnis.

 

Ausgangslage

Ende November 2016 habe ich zum ersten Mal den eindringlichen Hinweis von meinem Diabetologen erhalten, dass mein HbA1c jetzt einen Grenzwert überschritten hat bei dem was zu tun sei. Schockiert ab dieser Nachricht und vom HbA1c mit 8.6% war ich gar nicht. Denn sowas in der Art habe ich auf mich zukommen gesehen. Erste mögliche Strategien zum meinen Diabetes wieder auf die richtige Bahnen zu bringen wurden angesprochen. So fiehlen Ideen wie psychologische Behandlung gegen meinen Diabetes-Burnout oder wiederum einen FIT-Kurs (Funktionelle Insulintherapie) zu besuchen. Das wäre dann mein dritter (identischer) Kurs gewesen. Ich habe all dem zugestimmt. Denn ich sehe ein das was zu tun ist. Aber wie man meinen Knoten aufbekommt ist mir nicht (ganz so) klar. Ein erster Schritt der sofort greifen sollte war und ist eine engmaschigere Konsultation beim Diabetologen.

Das Jahr 2016 hatte so einige Eckpunkte die verstärkt zum erhöhten Blutzucker geführt haben:

  • Sport: Zurück nach 6 Wochen Kanada hatte ich das Starten des regelmässigen Sport Woche für Woche auf die darauffolgende Woche verschoben und irgendwann war Dezember. Nur im September habe ich ca. zwei Wochen regelmässig trainiert um die Gotthard-Biketour zu überstehen. Das wars. Denn das Motorrad war um einiges verlockender als mal eine Runde auf dem Mountainbike zu drehen.
  • Gewichtszunahme: Durch das weniger Sport machen haben sich bis jetzt knapp 20 Kilogramm mehr Körpergewicht angesetzt. Unauffällig aber da. Das hiesse eigentlich ich müsste die Basalrate neu errechnen. Dazu nötig wären Fastentagen, resp. -halbtage welche in meinen Augen einfach extrem anstrengend sind durch das „nichts Essen“ und trotzdem einen normalen Arbeitsalltag zu bewältigen.
  • Unlogische Blutzuckerverläufe:
    • Ich esse seit Jahren jeweils zum Frühstück eine Portion Cornflakes mit Milch. Total ca. 50g Kohlenhydrate. Die Werte welche ich dann jeweils im Verlauf des Morgen habe sind aber immer anders. Wenn ich dann über zwei Tage mit einem zu hohen Blutzuckerwert auf den Mittag zugekommen bin und mir dann dafür am dritten Tag mehr Insulin gespritzt habe schlitterte ich noch vor der Mittagspause in eine Unterzuckerung.
    • Ich kann das Abendessen auslassen oder ich kann genau abgemessen Menge Kohlenhydrate zu mir nehmen und mit Insulin abdecken. Einen überhöhten Blutzucker (>12mmol/l oder ca. 216mg/dl) habe ich am morgen beim Aufstehen trotzdem. Oder eben nicht. Dann kann ich auch einfach nach Lust und Laune etwas zum Abendessen essen und die nächtlichen Blutzuckerwerte einfach Zahlen sein lassen.
    • Ich kann einen Eisbergsalat oder Rüebli (Karotten) essen und mein Blutzucker steigt an als hätte ich Kohlenhydrate zu mir genommen.

    All das sind Punkte die mir mehr als unlogisch daherkommen und mir keine Motivation geben mich besser um meinen Diabetes zu kümmern.

  • Alleine: Ich sehe nicht ein, warum ich zur Zeit für mich selber einen gut eingestellten Blutzucker haben muss. Ich lebe doch im Hier und Jetzt?! So habe ich für niemanden Verantwortung (Lebensabschnittpartnerin, Kind, etc.) und muss mich nicht darum sorgen was in X Jahren sein könnte.
    Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich mit Folgeerkrankungen wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, diabetischer Fuss, Netzhauterkrankung, Nierenerkrankung, Nervenschädigung rechnen muss. Aber mir schwirrt eben auch im Hinterkopf herum, dass das erst nach ein paar Jahren mit einem schlecht eingestellten Blutzucker auftritt. Nicht nach nach knapp einem Jahr…
  • Technische Probleme: Über eine sehr lange Zeit konnte ich meine Insulinpumpe, resp. CGM-Daten (kontinuierliches Glukosemesssung) nicht auslesen weil das System dazu immer nur mit der neuesten Java-Version läuft, gleichzeitig aber die neusten Betriebssystem nicht unterstützt. Zusammen mit der Herstellerhotline wurde schlussendlich zu einem Umstieg der Insulinpumpe entschieden welche dann im Oktober in Betrieb ging. Irgendwann im November konnte ich dann ein erstes mal die Daten auslesen. Nach der langen Zeit hatte ich aber gar keine Motivation mehr diese zu analysieren und Änderungen an der Diabetestherapie vorzunehmen.
  • Nie Urlaub: In der Schweiz hat jeder Arbeitnehmer ab 20 Jahren per Gesetz Anspruch auf 20 Tage (vier Wochen) Urlaub pro Jahr. Seit Sommer 2005 hatte ich keinen einzigen Tag Urlaub von meinem Diabetes. Das sind zum täglichen Leben noch über 4200 Tage mitdenken für den Diabetes. Somit fehlen mir von Januar 2006 bis und mit Dezemer 2016 volle 220 Tage Urlaub in welchen ich nicht für meinen Diabetes denken müsste.

 

Aktuelles Geschehen

Heute waren nun die sechs Wochen seit dem letzten Arztbesuch um und ich bekam meinen aktuellen HbA1c-Wert von 8.6%. Darin lag die Adventszeit, Weihnachten, eine Woche Ferien und Neujahr. Also eigentlich nur Zeiten die mir nicht zu einem besseren Blutzucker verhelfen. Logisch war so auch keine Verbesserung ersichtlich.

In der heutigen Arztkonsultation wurde ausserdem entschieden, dass ich zuerst einmal in eine Ernährungsberatung gehen soll um mich zuerst von den unnötigen Kilogramm zu trennen, resp. meine Ernährung so weit in den Griff zu bekommen, dass ich genügend Insulin für die verspeiste Menge Kohlenhydrat spritze. Ich glaube nur, dass ich heute keine Rundumbetreuung verschrieben bekommen habe… Ich bin ja sehr gespannt ob mir eine ambulante Ernährungsberatung hilft.

 

Nahe Zukunft

Seien wir gespannt wie es weitergeht. In sechs Wochen muss ich wieder beim Diabetologen aufkreuzen und irgendwelche Ergebnisse vorweisen können.

 

Mir geht es gut!

Nur zum Deutsch und deutlich klarzustellen: Mir persönlich geht es gut!
Mein Diabetes ist das Sorgenkind und der bekommt zur Zeit eigentlich nur die minimal nötige Behandlung von mir.

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