Motorradtour Pyrenäen 2017

Ich war in den Pyrenäen mit dem Motorrad. Ein Traum! Damit ihr auch etwas mehr daran teilhaben könnt habe ich mich kurz gefasst. Viel Spass.


Tag 1

Der erste Tag war eher unspektakulär. Hauptsächlich Autobahnkilometer von der kühlen Schweiz ins warme Südfrankreich. Das ganze sogar ohne grossen Verzögerungen durch Stau. Das mühsamste waren definitiv die Autofahrer welche hinter mir in die Maut-Zahlstellen einfuhren und begannen zu hupen weil ich in aller Ruhe beide Handschuhe auszog, Ticket einschob, Bargeld hervorkramte, alles wieder vorsorgte und mich dann wieder richtig Anzog für die Weiterfahrt 🙂

Bereits am Vortag habe ich mir das Hotel Le Regina in Canet-en-Roussillon gebucht, damit ich nur anzukommen habe und ein Zimmer beziehen konnte. Für eine Nacht reichte das Hotel auch vollständig aus.

  • gefahrene Kilometer: 838.8km
  • ungefähre Fahrzeit: 08:25h
  • Route: Google Maps
  • Übernachtung: Hotel Le Regina in Canet-en-Roussillon, Frankreich.

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Tag 2

Ausblick vom Col de la Seille

Noch bei kühlen Temperaturen konnte ich am Morgen losfahren und die ersten Höhenmeter und Kurven kurz nach Perpignan einfangen. Weiter via Ceret die C-38 hoch über den Col de la Seille (1185m ü.M.) und den Collada de Toses (1790m ü.M.) nach Spanien. Auf der N-260 gings über Ripoll weiter bis man bei Bourg-Madame wieder nach Frankreich kommt. Irgendwann folgt der Col de la Perche (1581m ü.M.) und ich wurde langsam unsicher wem ich mehr trauen sollte: meinen Notizen auf dem Tankrucksack oder dem Navigationsgerät. Denn die Dörfer, Überlandstrassen und sogar ein kurzen Stück Autobahn wollten nicht aufhören bis ich endlich unten am Col de Pailheres (2001m ü.M.) ankam. Auf der eher drei Meter schmalen, mit grandiose Spitzkehren bestückten, bei welchen zum Teil sogar dem zweiten Gang zu viel war, Strasse ging es höher und höher. Traumhafte Aussicht garantiert!

Passstrasse hoch zum Col de Pailheres

Mein Tagesziel war von Anfang an in Ax-les-Thermes. Ich habe mich aber definitiv vom Anblick der Hotelfassade täuschen lassen. Resultat: ein sehr kleines Zimmer und ein lausiges Aufwärm-Frühstück. So beim Spazieren durch die Stadt vor dem Abendessen habe ich gesehen, dass z.B. im Le Chalet es sicherlich besser gewesen wäre.

  • gefahrene Kilometer: 286.1km
  • ungefähre Fahrzeit: 05:20h
  • Route: Google Maps
  • Übernachtung: Hotel Le Regina in Ax-les-Thermes, Frankreich.

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Tag 3

Erste Sicht auf das Fürstentum Andorra

Von Ax-les-Thermes losgefahren ist es eine wunderschöne Passstrasse welche zu einem grossen Teil am Berg entlang verläuft und vereinzelt durch einige Spitzkehren unterbrochen wird. Nach der Grenzkontrolle und ein paar Kurven weiter tut sich Pas de la Casa im Fürstentum Andorra auf. Durch das Wintersportdorf hindurch kann man sich auf der Passhöhe beim Port d’Envalira (2408m ü.M.) etwa zwischen vier Tankstellen entscheiden. Scheint wichtig zu sein 😉 Nach dem Pass folgt eine sehr lange Abfahrt bis hinunter nach Andorra la Vella.

Nach dem Verlassen von Andorra habe ich in Spanien ein paar kleinere Wege gewählt. Über den Col la Trava (1430m ü.M.) und den Col de Bancs war ich auch noch auf der geplanten Route. Aber in irgendeinem Dorf habe ich eine andere Strasse genommen und kam dabei auf einem wunderbaren geschlungen Weg ins Tal und an einem anderen Ort wieder hoch auf die Höhe. Nur war der letzte Anstieg und die danach folgende Abfahrt bis wieder an eine Dorf heran ein Schotterweg. So war das nicht geplant. Ich hatte aber natürlich meine Freude daran 😀

Sicht auf die Passauffahrtsseite des Port de la Bonaigua.

Einmal mehr kam ich bei Adrail auf die N-260 und folgte der über El Canto (1720m ü.M) und durfte als krönender Tagesabschluss über eine 1A-Serpentinenstrasse auf den Port de la Bonaigua (2072m ü.M.) hoch kurven. Hinunter gings nach Viella wo ich mir nach dem dringend nötigen Tanken an ein super Hotel heranfuhr. Nachdem ich mich im Hotel frisch gemacht habe, die Stadt besichtigt habe und mich wieder zurück im Hotel befand hat es das erste mal geregnet. Für das auswärtige Abendessen war es bereits wieder trocken.

  • gefahrene Kilometer: 274.8km
  • ungefähre Fahrzeit: 05:00h
  • Route: Google Maps
  • Übernachtung: Hotel Delavall in Viella, Spanien.

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Tag 4

Sicht auf die Passauffahrtsseite des Col d’Aspin.

Gestartet bin ich hoch auf Eth Portilhon (1292m ü.M.) und bin dann auf der Passhöhe wieder nach Frankreich gewechselt und somit den Col du Portillon runtergefahren 😉 Weiter über den Col du Peyresourde (1569m ü.M.) und über den Col d’Aspin (1490m ü.M.). Die Pause fand hier oben mit weiteren Motorradfahrern, ein paar wenigen Autofahrern und ganz vielen weissen Kühen statt. Und weil der höchste asphaltierte Pyrenäenpass auf französischer Seite in der Motorradtour nicht fehlen durfte folgte der Col du Tourmalet (2115m ü.M.). Nach der Passabfahrt habe ich mich absichtlich in eine 30km lange Sackgasse manövriert. Eine wunderschöne Sackgasse. Neben dem Fluss führte die Strasse durch ein enges Tal mit hin und wieder vereinzelten Dörfern bis am Schluss eine Passfahrt auf dem Parkplatz, umgeben von Schnee auf dem Col des Tentes (2208 m ü.M.) endete.

Teil der Passstrasse auf den Col des Tentes

Weil der Tag aber noch lange nicht fertig war musste ich zuerst einmal wieder aus der Sackgasse herausfahren und weiter kommen. Es folgte zuerst unspektakulär der Col du Soulor (1474m ü.M.). Kaum ein paar Meter von dem hinuntergefahren fängt eine Passstrasse an die es in sich hat. Schmal, Tunnels, enge Kurven, unübersichtlich, kaum Ausweichstellen… Also genau mein Ding:

Passstrasse am Col d’Aubisque

Auf dem Col d’Aubisque (1709m ü.M.) dann wieder eine wunderschöne Rundumsicht und eine Menge Camper. Nun wartete nur noch ein Pass auf mich. Der Col du Pourtalet (1794m ü.M.) führte mich wieder aus Frankreich raus und nach Spanien. Bei der Talfahrt habe ich mich Zugunsten der nächsten Tankstelle entschieden und so das am Vorabend herausgesuchte Hotel vorüberziehen lassen. Sprachlich wäre ich oben im Wintersportgebiet sicherlich gut aufgehoben gewesen. Aber mit der Einstellung die paar Kilometer ins Tal und dort ein Hotel finden würde ich auch noch schaffen. Habe ich auch in Biescas. Ein wunderschöner Ort und mit dem Hotel Casa Ruba auch ein wunderschönes kleines Hotel. Nur können weder das Gastgeber-Ehepaar noch die Angestellten Englisch und ich hatte nie Spanischunterricht. Aber dank einem Spanisch-Übersetzungs-App habe mit einzelnen Worten ein Zimmer erhalten, durfte das Motorrad in der Garage unterstellen, konnte zu Abendessen und Frühstücken.

  • gefahrene Kilometer: 306.6km
  • ungefähre Fahrzeit: 06:10h
  • Route: Google Maps
  • Übernachtung: Hotel Casa Ruba in Biescas, Spanien

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Tag 5

Im Valle de Vio

Zur Abwechslung habe ich wieder mit ein paar Nebenstrassen und somit auch mit kleineren Pässen in den Tag gestartet. Dabei bin ich eine längere Zeit durch das Valle de Vio gefahren. Wunderschön und man ist Alleine. Die Pässe welche auch als solche angeschrieben waren am Tag 5 Puerto de Cotefablo (1423m ü.M.) und Puerto de Serrablo (1291m ü.M.). Irgendwie bin ich nach den beiden Pässen und dem Valle de Vio auf ein Stück Schnellstrasse gekommen. Bei brütenden 30°C. Erst die Passfahrt auf den Puerto de Somport (1640m ü.M.) hat etwas Abkühlung gebracht.

Nach der Passüberfahrt war ich wieder auf französischem Boden. Da mir sehr bewusst war, dass ich Quer zu mehreren Hauptachsen eine Strecke gewählt habe, versuchte ich diesen Weg mit dem Navigationgerät zu finden. Wollte nicht so und so musste die gute alte Kartenarbeit mit Vergleichen was bei den Kreuzungen genau auf den Wegweisern stand weiterhelfen. Das funktioniert im Fall! 😀
So fand ich über den Col de Labays (1354m ü.M.) auf die Passstrase welche zum Col de la Pierre Saint-Martin geführt hätte. Doch diese Strasse verliess ich bereits vorher wieder um ins Tal herunterzukommen und den Weg in Richtung Larrau zu finden.

Mitten im Nachmittag – die Hitze machte doch schneller müde als gedacht – fand ich in Larrau dann auch schon eine Unterkunft. Unter Pensionierten und fast Pensionierten genoss ich eine feines mehrgängiges Abendessen. Etwas teurer als die vorigen Hotels aber es sind ja Ferien!

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Tag 6

Defektes Motorrad mit Aussicht

Ein wunderbarer neuer Tag tat sich auf und endete ziemlich schnell wieder. Ausgangs einer Spitzkehre hatte mein Motorrad plötzlich keinen Grip mehr und rutschte in der Beschleunigungsphase unter mir weg. Das Motorrad kam im Graben (im Bild oben würde der Graben rechts vom Bild folgen) zum stillstand und ich lag auf der Strasse. Komisches Gefühl. Komische Situation. Ehrlich. Irgendwie stand ich ein paar Sekunden später auch schon wieder auf den Beinen und wusste nicht so recht sollte ich zu meiner piepsenden Insulinpumpe oder zum Motorrad schauen. Die Insassen der zwei hinter mir fahrenden Autos haben mir gleich mal geholfen die schwere BMW von den Koffern zu befreien und aus dem Graben herauszurollen und auf die Grünfläche der Kurveninnenseite zu stellen. Irgendwie zitterte ich schon und war etwas kraftlos. Aber funktionierte.
Die Helfer verliessen gleich wieder das Feld. Ich musste mich sowieso zuerst mal hinsetzen und etwas trinken. Und dann diese laut piepsende Insulinpumpe zur Ruhe bringen. Mithilfe der Hotline ging das dann auch ganz gut und sie würde gleich eine Ersatzpumpe per Kurier zu mir nach Hause losschicken. Denn durch den Sturz hatte die Insulinpumpe das zeitliche gesegnet. Ehm. Gut gemeint aber nutzlos. Immerhin war es schon viel angenehmer als das Piepsen weg war. Mit der Einstellung, dass ich mich um den Diabetes später mehr kümmern würde habe ich mal das Motorrad angeschaut.

Ups! Loch und kein Öl mehr im Motor.

Ein verbogener Kunststoffblinker, ein verbogener Steinschlagschutz am Lenker, einige Kratzer am Hartschalenkoffer, 5 Kratzer am Helm und ein abgeraspelter Lederschuh waren nicht meine grösste Sorge. Das Loch in der Zylinderabdeckung machte mir mehr sorgen, denn damit war auch alles Motorenöl weg und eine Weiterfahrt oder nur schon eingekuppeltes Rollenlassen unmöglich. An versteckte Schäden, wie verbogene Struktur, kam mir da noch gar nicht in den Sinn. Mal schauen was in den nächsten Tagen und Wochen herauskommen wird.

Schaden an mir? Keinen. Ok, die Insulinpumpe prellte den Oberschenkel was einen blauen Fleck gab. Mehr nicht. Also alles nur Materialschaden. Das lag wohl an meinem ausgangsseitig der Kurven noch nicht so schnellen unterwegs sein und dem Tragen der vollen Motorradausrüstung trotz warmen bis heissen Temperaturen!

  • gefahrene Kilometer: 6.6km
  • ungefähre Fahrzeit: 00:10h
  • Route: Google Maps
  • Übernachtung:

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und dann? – Biarritz!

Biarritz

Ich wurde endlich einmal wieder abgeschleppt! Zwar mit dem Motorrad auf der Laderampe. Aber immerhin abgeschleppt. Und danach mit dem Taxi nach Biarritz in mein bereits gebuchtes Hotel chauffiert. Den Donnerstagnachmittag verbrachte ich dann bei 35°C. mit aufsuchen von Tourismusbüro und versuchen an ein Hotelzimmer für weitere Nächte zu kommen. Dank den Feiertagen und der gerade stattfindenden Surf-Weltmeisterschaft gar nicht so einfach.
Am Freitag und Samstag waren dann Stadt-Sightseeing, Museenbesuche, Anschauen vom Markt in und um die Markthalle, Biertrinken, etc. angesagt. Wobei ich am Freitag gegen den frühen Abend noch mit drei Motorradkoffern, einer Tanktasche und einem Helm umziehen musste. Herausforderung angenommen und gesiegt!

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Karte

Ich habe eine Karte meiner Tour erstellt. Der Startpunkt ist Perpignan. Gefahren bin ich bis Larrau, Frankreich. Ab Larrau bis Biarritz bin ich die Tour nicht gefahren 🙁

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Informationen

Die notierten Angaben über gefahrene Kilometer kommen vom Motorrad. Die ungefähre Fahrzeit habe ich ausgerechnet anhand Abfahrtszeiten, Pausen und Ankunftszeiten. In der ungefähren Fahrzeit sind aber auch Tankstopps, Navigationsstopps und zum Teil ganz kurze Fotostopps enthalten.

Die Reisezeit Ende Mai war super. Einzig die Sprachvielfalt leidet darunter meiner Meinung nach. So sind in vielen Restaurants und Hotels in den Pyrenäen nur die Einheimischen am Arbeiten welche nicht unbedingt mehr als Ihre Muttersprache können. So hilft es schon ein paar Worte Französisch und Spanisch zu können. Mindestens um am Abend ein Bier bestellen zu können 😀

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Bilder

Und wer vor lauter Text und ein paar wenigen Bilder noch mehr sehen möchte kann sich durch das Flickr-Album klicken. Viel Spass!

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2 Kommentare bei “Motorradtour Pyrenäen 2017
  1. Ein super schöner Bericht, der wirklich Freude macht beim Lesen (und betrachten 😉 )…

    Schade konntest Du Deine Tour nicht abschliessen…

    Gab es keine Möglichkeit irgendwo ein Motorrad zu mieten?

  2. Ach ja… und Gottseidank war vornehmlich „nur“ ein Blechschaden mit im Spiel…
    Ich hoffe Du hast anschliessend einen getrunken auf Deinen Schutzengel 🙂

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