Yeah, he liked you back!

Meine Freundin Isabelle hat aufgeschrieben, wie es ist, einen Typ-1-Diabetiker kennenzulernen. Was für Gedanken einem Nicht-Diabetiker da kommen und welche Überlegungen in einen Entscheid mit hineinspielen, könnt ihr unten lesen. Viel Vergnügen!

Bild via stockunlimited.com, Bild ID: 2008310

“Meine Freizeit wird unter anderem gefüllt mit Motorradfahren, Mountainbiken, Skifahren, geniessen von gutem Craftbier. Aber auch Sofa und TV, lesen von Büchern und Reisen. Immer mit dabei meine kaputte Bauchspeicheldrüse (Typ-1-Diabetiker)”

So begann der Beschrieb des Profils auf der Dating-App “Once” von Andreas, 31 Jahre alt. “Wow, mutig!”, schoss es mir blitzartig durch den Kopf, während mir sein Lächeln auf dem Smartphone entgegenstrahlte. “Der kriegt bestimmt nicht viele Frauen ab, wenn er so offen schreibt, dass er Diabetiker ist”, war mein zweiter Gedanke. Ich kannte leider diese Dating-Apps und die Menschen dahinter aus eigener Erfahrung ziemlich gut und wusste, dass das, was man überall liest, stimmt: die pure Oberflächlichkeit wird hier ans Tageslicht getragen. Ich war schwer beeindruckt von diesem Menschen, der frei heraus im dritten Satz seines Profils schreibt, dass er Diabetiker ist. Ich bin nicht der Mensch, der schnell über  andere Menschen urteilt, dafür interessieren mich die Geschichten dahinter viel zu sehr. Die offene und ehrliche Art, die Andreas in seinem Profil präsentierte, zeugte in meinen Augen von Reife und Mut. “Du wolltest doch einen Menschen, der genau so ehrlich ist, wie du – hier ist er also!”, musste ich mir eingestehen. Trotz allem wog ich dann mehrere Minuten ab, ob ich nun diesen Menschen kennenlernen möchte oder nicht. Ich hätte denken können, wie wohl die meisten Frauen auf diesen Portalen denken: “Diabetes? Das ist eine Krankheit, oder? Kenn ich nicht, klingt anstrengend. Swipe left.” Aber wer mich kennt, der weiss, dass ich nicht so bin.

“Was ist Diabetes überhaupt genau?!”, überlegte ich mir. Eigentlich müsste ich es ja wissen, meine Grossmutter hat Diabetes. Seit ein paar Jahren isst sie auf den Familienfeiern nichts, oftmals hat sie bereits zuhause was gegessen oder geht nach der Feier nach Hause und isst dann. Das war aber auch alles, was ich über sie und ihren Diabetes wusste. Ebenfalls bekannt war mir, dass es wohl vererbbar ist, zumindest muss ich jedesmal beim Arzt entsprechend darauf hinweisen, wenn nach Krankheiten in meiner Familie gefragt wird. Und ich wusste, dass man bei Fettleibigkeit und ungesundem Lebensstil Diabetes bekommen kann. Das war’s dann aber auch. Was also ist Diabetes? Ich wechselte von der Dating-App zu meinem besten Freund und Helfer, Google. Die Resultate mit dem Begriff “Diabetes” waren verwirrend: es gab also mehrere Typen von Diabetes, die Unterschiede waren mir aber auch nach längerem Lesen überhaupt nicht ersichtlich. Also suchte ich nach “Diabetes Typ 1”, schliesslich hatte dies ja mein Mr. Unbekannt. Und da war es also, das gruselige Wort: “Spritzen”. Bei der Erkenntnis, dass sich diese Menschen täglich irgendwas spritzen müssen, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Es gibt drei Dinge, vor denen ich mich fürchte: grosse Menschenmengen, Spinnen und Spritzen. “Kann ich mir einen Menschen an meiner Seite vorstellen, der sich dauernd eine Spritze in den Bauch jagen muss?” Die Furcht war gross – die Neugier aber grösser. Ich wollte diesen sympathischen, offenen und ehrlichen Menschen kennenlernen. Mich interessierte die Geschichte hinter diesen wenigen Zeilen.

Ich wechselte zurück zur Dating-App, schaute mir nochmals dieses sympathische Lächeln an, hoffte, dass mein Lächeln diesen Menschen ebenfalls überzeugen würde und wischte gespannt nach rechts.

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