30 Tage Eversense XL

Seit dem 29. Januar sitzt der Eversense XL in meinem rechten Oberarm ein paar Millimeter unter der obersten Hautschicht. Einen Tag nach der Implantation hat er seine Arbeit aufgenommen und liefert seitdem im Fünf-Minuten-Takt meine Blutzuckerwerte via Transmitter ans Smartphone. Ich möchte euch in diesem Artikel mal einen Überblick über den Eversense XL und meinen Erfahrungen damit geben.



Die Vorbereitung

Ich habe bereits in einem Blogbeitrag auf mein-blutzucker.ch darüber berichtet, wie ich den Wechsel vom Medtronic Enlite-System angegangen bin. Den Artikel findet ihr hier. Nebst diesen Vorbereitungen war für mich bereits beim Entscheid zum Eversense XL klar, dass ich die Blutzuckerwerte nicht nur auf dem Smartphone, sondern auch auf einer Smartwatch wollte. Irgendwann im Umsteigeprozess habe ich mir dann eine Garmin Fenix 5 gekauft und alle dafür nötigen Apps auf dem Smartphone installiert (und vor-eingerichtet).

Eine Woche vor dem Einsetzen des Sensors hatte ich ein Vorgespräch bei einem Diabetesfachberater im Universitätsspital Basel, um den per Post erhaltene Transmitter mit dem Smartphone zu koppeln. Nebst dem Koppeln bekam ich auch eine ca. einstündige Anwenderschulung.

Das Einsetzen

Das Einsetzen im Universitätsspital Basel ging ruckzuck-zackzack – das Bürokratische dauerte fast länger ;) Zu beginn musste ich noch ein Formular lesen und unterschreiben, welches mich über den Eingriff und die möglichen Komplikationen in Kenntnis setzte. Danach ging es auch gleich los.

Vom hinlegen über die sterile Abdeckung und Desinfizieren der Haut bis hin zum Aufstehen und Anziehen der Schuhe vergingen knapp 30 Minuten. Das Schmerzhafteste waren die mehreren kurzen Einstiche der Betäubungsspritze. Den Schnitt in der Haut und das Bilden der Tasche im Gewebe, um den Sensor darin zu platzieren, das Einführen vom Sensor selber und das Zukleben habe ich dann nicht mehr gespürt. Erst das Abziehen des sterilen Tuchs von der Haut hat dann wieder “geschmerzt” :)

Nach dem kurzen Eingriff musste ich noch einmal zum Diabetesfachberater, um mit ihm gemeinsam den Transmittter korrekt über dem Sensor zu platzieren und den Sensor ein erstes Mal mit dem Smartphone zu koppeln.

Die erste Woche

Links die Eversense-„Wunde“ mit Steri-Strips und rechts mit der Markierung vom Sensorort.

24 Stunden nach dem Einsetzen vom Sensor durfte ich mit den vier Kalibrierungsmessungen beginnen. Die Kalibrierungen sollten in Abständen von jeweils zwei Stunden und innerhalb von 36 Stunden gemacht werden. Bereits ab der zweiten Messung werden die Blutzuckerwerte auf dem Smartphone angezeigt.

Mit den Steri-Strips und dem Wundpflaster über der Wunde war das richtige Platzieren vom Transmitter ein ziemliches Gefummel, bis man gutes Signal erhalten hat. Auch das doppelseitige Transmitterpflaster zum Befestigen vom Transmitter konnte nicht einfach abgerissen werden denn das Wundpflaster sollte so lange als möglich (mind. 5 Tage war die Empfehlung) drauf bleiben. Duschen mit den Steri-Strips und dem Wundpfllaster ging dafür problemlos.

Bereits am fünften Tag habe ich vorsichtig das Wundpflaster und die Steri-Strips entfernt und dann das Transmitterpflaster mit einem Extra-Wund-Schutz-Special über dem Sensor platziert. Extra-Wund-Schutz-Special, weil Isabelle die Idee hatte, auf das Transmitterpflaster ein kleines Stückchen einer dünnen Damenbinde zu kleben, um die Wunde vor Kontakt zum Klebstoff zu schützen und den Heilprozess nicht zu stören. Das hat sehr gut funktioniert und kann ich jedem/jeder weiterempfehlen.

Wund-Schutz-Special


Das Tragen

Mit der Anzeige der Platzierungshilfe kann der Transmitter korrekt über dem Sensor platziert werden.

Der tägliche Wechsel vom Transmitterpflaster und das tägliche Aufladen des Transmitters ist Übungssache, aber keine Schwierigkeit. In der Eversense-App gibt es eine Platzierungshilfe, welche beim Platzieren des Transmitters hilft und die Signalstärke anzeigt.

In den ersten paar Tage war ich etwas verwirrt und beunruhigt, weil der Transmitter regelmässig und über längere Zeit das Signal zum Sensor verloren hat. Wie ich später feststellte, war dies aufgrund der Wundheilung und dem Wundpflaster. Nachdem das Wundpflaster weg war, war einerseits das Signal stärker (scheinbar hat ein dünnes Pflaster eine ziemlich grosse Auswirkung auf die Signalstärke) und andererseits nahmen auch die Unterbrüche markant ab. Unterdessen habe ich fast keine Unterbrüche in der Aufzeichnung mehr (einzig beim Transmitter laden natürlich). Dafür verliert der Transmitter bei einem Telefonat, welches länger als fünf Minuten dauert, die Verbindung zum Smartphone.  Sobald aber die Verbindung wieder hergestellt ist, werden auch die Blutzuckerwerte übertragen und es gibt keine Datenaufzeichnungslücken, weil er auch die nicht übertragenen Werte lückenlos übermittelt.

Gewohnheitsbedürftig ist am Anfang das Vibrieren am Arm. Bei zu hohen Werte erfolgen drei kräftige Vibrationsstösse vom Transmitter. Bei zu tiefen Werten werden drei kurze, drei lange und drei kurze Vibrationen abgegeben. Diese Vibrationen sind sehr gut spürbar.

Smartphone und Smartwatch

Perfekte Anzeige auf der Garmin-Uhr

Das Ablesen der Blutzuckerwerte, die Alarme und die Kalibrierung erfolgen über das Smartphone. Ich nutze die Eversense-App hauptsächlich zum Platzieren des Transmitters und zum Kalibrieren. Das Alarmieren aus der App heraus funktioniert bei mir irgendwie nicht. Liegt wahrscheinlich aber daran, dass ich das Smartphone wie fast immer auf Vibrationsalarm eingestellt habe. Dann schweigt die App einfach. Jedoch werden die “stillen” Alarme als Pushnachricht auf die Smartwatch gesendet.

Nachteil bei einem Android-Smartphone ist, dass die App keine Follower zulässt. So können bei der iOS-Version die Daten an Follower, z.B. Partner/in oder Familienangehörige, gesendet werden, welche diese aber ebenfalls nur auf einem iOS-Gerät empfangen können. Da erhoffe ich mir, dass die App künftig auch für Android-Smartphones angepasst wird.

Bereits vor dem Einsetzten des Sensors habe ich mir die xDrip+-App (die Esel-App und die dazugehörige offene Eversense-App) installiert, um mehr Möglichkeiten mit den Eversense-Blutzuckerwerten zu haben.

So sendet der Transmitter die Blutzuckerwerte an die Eversense-App. Diese wiederum wird im Hintergrund von der xDrip+-App ausgelesen. Mit der xDrip+-App habe ich viel mehr Möglichkeiten. So kann ich mehrere individuelle Alarme einstellen und die Blutzuckerverlaufskurve zum Beispiel auch als Widget direkt auf dem Startbildschirm anzeigen lassen. Und was mir ganz wichtig war: ich kann die Blutzuckerwerte auch zur Smartwach senden und dort ablesen.

Links die Eversense App. Via xDrip+ gelöste Anzeige im Desktop in der Mitte und rechts die via xDrip+ gelöste Anzeige im/als Bildschirmschoner.


Typ F

Meine Freundin hat mich beim Eingriff begleitet, u.a. auch mit der Absicht, dass sie ein paar Bilder für den Blogbeitrag hier machen könnte. Leider wurde diese Idee von der Ärztin untersagt (sie könnte umkippen, so die Begründung). So konnte sie nur von einem Stuhl aus zuschauen.

In den ersten paar Tagen war ich sehr froh, bekam ich Hilfe beim Wechseln vom doppelseitigen Transmitterpflaster für den Transmitter und dem korrekten Platzieren von eben diesem. Denn das Wundpflaster sollte beim entfernen vom Transmitterpflaster ja auf der Haut bleiben, damit die Wunde noch heilen kann. Zusätzlich konnte sie anfangs viel besser sehen, wie und wo das Pflaster platziert werden muss und konnte mir so viele wertvolle Tips geben, damit ich das nach dem entfernen des Wundpflasters selber machen konnte.

Irgendwann in der zweiten oder dritten Woche mit dem Eversense-Sensor habe ich Nightscout aufgesetzt, welches die Daten aus der xDrip+-App zieht. So kann Isabelle (und alle mit dem entsprechenden Link) jederzeit meine Diabetestherapie anschauen und für sich z.B. auch individuelle Alarme anhand von meinen Blutzuckerwerten setzen. Somit habe ich trotzdem alle Funktionen, auch wenn ich kein iOS-Smartphone habe. Wirklich befriedigend ist die Situation seitens Eversense-App trotzdem nicht, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. ;)

Screenshot der Nightscout-Anzeige


Fazit

Ich bin sehr begeistert vom neuen CGM in/an meinem Arm. Klar wäre ich an einzelnen Tagen froh, hätte ich die Hypovorabschaltung der Medtronic 640G-Insulinpumpe noch. Dies muss ich jetzt manuell vornehmen und vergesse es im Moment noch oft, weil es bisher immer automatisch von der Pumpe gemacht wurde.

Ich träume jedoch davon, dass Roche in naher Zukunft eine zur Eversense koppelbare Insulinpumpe auf den Markt bringt oder ich auf eine Insulinpumpe wechseln kann, welche mir die Möglichkeiten von einem Closed-Loop-System ermöglicht. Träumen darf man ja, oder?

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